Der Bartle-Test: Welcher Spielertyp bist du?

Wir alle lieben es zu zocken. Aber was und wie, da gibt es riesige Unterschiede. Mit Hilfe des sogenannten Bartle-Tests lässt sich bestimmen, welchem Spielertyp du angehörst. Wie der funktioniert, erfährst du in diesem Artikel.

Der eine verbringt Stunden damit in die entferntesten Winkel einer Spielwelt vorzudringen und dreht auf der Suche nach versteckten Artefakten jedes Sandkorn um. Der andere zieht mordend und marodierend durch das Land und liebt es Angst und Schrecken unter der virtuellen Bevölkerung zu verbreiten. Die individuelle Definition von Spielspaß fällt von Spieler zu Spieler durchaus unterschiedlich aus.

Was ist der Bartle-Test?

Der britische Autor und Professor für Computerspieldesign an der University of Essex, Richard Allan Bartle, war 1978 an der Entwicklung des ersten MUD (Multi User Dungeon) beteiligt. Er gilt als Experte auf dem Gebiet der MMO-Forschung und hat in dieser Funktion mit dem Buch Designing Virtual Worlds die Grundlagen für den Bartle-Test geliefert.

Für seine Studien hat er unter anderem analysiert, wie MMO-Spieler mit der Spiewelt interagieren und dabei festgestellt,  dass es wiederkehrende Verhaltensmuster gibt. Auf Basis dieser Erkenntnisse hat er eine Taxonomie entwickelt, die zwischen vier Spielerarchetypen unterscheidet: Achiever, Explorer, Socializer und Killer. Das Modell bezieht sich zwar in erster Linie auf Online-Multiplayer-Spiele, kann in Teilen auch auf Singleplayer-Games übertragen werden.

Der Achiever

Der erste dieser vier Archetypen ist der sogenannte Achiever. Diese sind in MMOs besonders verbreitet, da sie dort mit ihrer Spielweise voll aufgehen können. Achiever sind Siegertypen, die das Gefühl lieben, etwas zu erreichen und anderen ihre Erfolge gerne präsentieren. Ranglisten, Punktesysteme oder die Jagd nach seltenen Gegenständen, die sie von der Durchschnittsspielerschaft abheben, sind genau ihr Ding.

Im MMO World of Warcaft gibt es eine lange Liste von Achievements, die Spieler abarbeiten können und die beispielsweise mit speziellen Titeln oder Reittieren belohnt werden. Quelle: gamepedia.com

In Singleplayer-Spielen suchen sie stets nach neuen Herausforderungen, wie das Freispielen von Bonus-Leveln oder ein bereits erfolgreich absolviertes Spiel noch einmal auf einem höheren Schwierigkeitsgrad oder in einer bestimmten Zeit durchzuspielen (Speedrunner).

Der Explorer

Einen etwas anderen Ansatz verfolgen Explorer. Auch sie möchten aus dem Spiel das Maximum herausholen, aber sie sind mehr an der Welt an sich interessiert, als am Vergleich mit anderen Spielern. Sie erforschen jeden Punkt auf einer Map und lösen jede Side-Quest. Besonders reizvoll finden sie es, Bugs oder Glitches zu finden, um an Spielerlebnisse zu gelangen, die über das hinaus gehen, was die Entwickler ursprünglich für die Rezipienten eines Games erdacht hatten.

Die offene Spielwelt von The Elder Scrolls: Skyrim lädt bewusst zum Erkunden und Entdecken ein. Quelle: bethesda.com

Das gilt für Singleplayer- und Multiyplayer-Spiele gleichermaßen. MMOs sind für diesen Spielertypen besonders reizvoll, da sie häufig eine offene und tiefe Spielwelt bieten, in der es viel zu entdecken gibt. Ein Explorer weiß alles über sein Lieblingsspiel, mit dem er sich durchaus über Jahre beschäftigen kann, während andere jedem Spiele-Trend hinterherrennen.

Der Killer

Der absolute Gegensatz zum Explorer sind die Killer. Sie lieben es, ihre Kräfte und ihr Können an anderen Spielern oder besonders starken NPC-Gegnern zu messen. Der Schauplatz ist dabei Nebensache. Sie zeigen eine gewisse Verwandtschaft mit dem Achiever, da auch sie den Wettbewerb lieben.

Fairplay bleibt bei der Jagd nach mehr Kills oft auf der Strecke. Nicht selten findet man sie in MMOs in Startgebieten, wo sie völlig chancenlose Mitspieler im Akkord niedermetzeln (in Fachkreisen ganken genannt).

Ihre Kompetivität macht sie zu herausragenden Spielern, die für ihre Fähigkeiten geschätzt, aber wegen ihrer Kurzatmigkeit gefürchtet werden. Geht es in einer Gilde nicht schnell genug voran, fackeln sie nicht lange und suchen sich eine neue, die ihnen mehr Herausforderungen bietet.

Macht Gaming aggressiv und dumm oder ist Zocken sogar gut für unser Gehirn? Lest in unserem Artikel Game an Gehirn – Was Zocken mit unserem Denkorgan anstellt mehr darüber, wie sich das Daddeln auf unsere geistige Leistungsfähigkeit auswirkt.

Der Socializer

Der letzte Spielertyp in der Liste ist der Socializer. In Singleplayer-Spielen bevorzugen sie Genre, in denen soziale Interaktionen mit der KI möglich sind. In MMOs verbringt ein typischer Socializer mehr Zeit im (Voice-)Chat als mit dem eigentlichen Spiel.

BioWare-Titel wie Dragon Age: Inqisition sind bekannt für die emotionale Tiefe der Beziehungen, die ein Spieler mit seinen NPC-Begleitern eingehen kann. Der Charakter Leiliana taucht in allen drei Teilen der Dragon Age-Serie auf und durchwandert dabei eine spannende Entwicklung. Quelle: ea.com

Sie gehen in Gilden-Gemeinschaften voll auf, knüpfen schnell Freundschaften und sind anderen Spielern gegenüber äußerst hilfsbereit. Erfolge sind zweitrangig. Sie sind der Antagonist der Killer-Spielertypen.

Bartles Theorie auf dem Prüfstand

Wie so viele andere theoretische Konstrukte, ist dieses Modell nur ein Behelfsmittel, dass sich der Wirklichkeit bestenfalls annähert. Es lässt sich kaum ein Spieler auf eine dieser vier Typen reduzieren. Mischformen entsprechen eher der Realität.

Die Theorie der vier Archetypen hat natürlich auch ihre Kritiker, darunter Nick Yee, der beispielsweise anmerkt, dass die beim Explorer festgemachten Motivationen “die Welt zu erforschen” und “die Spielmechanik zu verstehen” nicht zwangsläufig korrelieren. Bartle selbst hat auf seiner ursprünglichen Theorie aufbauend ein weiterführendes Modell entwickelt, dass die Archetypen näher zu definieren versucht:

Achiever

  • Planner (explicit)
  • Opportunist (implicit)

Explorer

  • Scientist (explicit)
  • Hacker (implicit)

Socializer

  • Networker (explicit)
  • Friend (implicit)

Killer

  • Politician/Den Mothers (explicit)
  • Griefer (implicit)

Trotz gewisser Unzulänglichkeiten dürfte sich jeder in einem der Archetypen des Bartleschen Modells wiederfinden. Diese besondere Variante eines Persönlichkeitstests ist jedoch mehr als eine Spielerei. Auch die Spielindustrie kommt der Bartle-Test und die Forschungsergebnisse von Bartle zum Einsatz, um die Spielerfahrung zu verbessern. Sie liefert hier eine Orientierungshilfe, die Motivationen von Spielern besser einzuschätzen und ein Spiel an seine Zielgruppe anzupassen, ist aber nicht als Gesetz zu verstehen.

Ihr wollt mehr über eure eigene Persönlichkeit erfahren oder plant gerade eine Story und sucht noch nach Inspiration für eure Charaktere? Dann schaut auch in unserem Artikel über den Myers-Briggs-Typenindikator vorbei.

Der Bartle-Test

Auf Grundlage von Bartles Theorie entwickelten Erwin Andreasen und Brandon Downey um die Jahrtausendwende einen Fragenkatalog für einen Test, mit dem sich leicht feststellen lässt, welchem Spielertyp man angehört. Die Seite guildcafe.com, auf der Spieler den Test online durchführen konnten, wurde leider stillgelegt. Auf der Homepage des Computerspielwissenschaftlers Matthew Barr findet sich aber glücklicherweise eine Neuauflage.

Mit Hilfe des Bartle-Quotienten lässt sich aus den Antworten auf die Fragen ermitteln, welchem Spielertyp man angehört. Dabei werden insgesamt 200 Prozentpunkte auf die vier Spielertypen verteilt. Man kann nicht mehr als 100 Prozent in einer einzelnen Kategorie erhalten. Bei mir kam beispielsweise heraus, dass ich zu 73 Prozent ein Achiever bin, zu 60 Prozent Explorer, 40 Socializer und zu 27 Prozent ein Killer. Für den Quotienten werden die Anfangs-Buchstaben des jeweiligen Spielertypen in absteigender Reihenfolge angegeben. Demnach wäre es bei mir der Typ AESK. Enthält das Ergebnis in einem Bereich 0 Prozent, wird der Buchstabe weggeleassen.

Und? Welcher Spielertyp bist du?

Tipps zum Weiterlesen:

HEARTS, CLUBS, DIAMONDS, SPADES: PLAYERS WHO SUIT MUDS

Unsmasking the Avatar: The Demographics of MMO Player Motivations, In-Game Preferences, and Attrition

Personality And Play Styles: A Unified Model

Terra Nova. Simulation + Society + Play

The Structure of Videogame Preferences

Living a Virtual Life: Social Dynamics of Online Gaming

Who plays, how much, and why? Debunking the stereotypical gamer Profile

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