Event-Bericht: Ein Familientreffen der besonderen Art – Das Indie Game Fest 2023

„Hat sich wie ein Familientreffen angefühlt.“ So lautete mein erstes kurzes Fazit auf LinkedIn zu meinem allerersten Indie Game Fest-Besuch am 3. Juni 2023 im Wasserturm Hotel Köln. Und damit ist im Prinzip alles gesagt. Weil ich mich aber selten kurz fasse, hier die lange Version.

Gemeinsam mit meinem Bruder war ich auf dem Indie Game Fest 2023 unterwegs. Nicht nur deshalb hat sich das Event ein wenig wie ein Familientreffen angefühlt. Denn er war nicht das einzige bekannte Gesicht vor Ort. Unter den 47 Ausstellern befand sich unter anderem eine Delegation des Games Bavaria aus meiner Wahlheimat Bayern – und damit auch einige Projekte und Personen, die ich vom Indie Outpost in Nürnberg kenne. Manche davon schon seit Jahren!

Das macht für mich den besonderen Reiz solcher Gaming-Events aus: Menschen nach Monaten oder Jahren wiederzutreffen, zu erfahren, wie sie ihre Geschichte als Entwickler weitergeschrieben haben und wo sie gerade stehen. Wie auf einem Familientreffen eben, wo man sich nach Jahren wieder seinem Lieblingsonkel aus Kindheitstagen gegenübersieht.

„Guck mal Mama, da ist ein Bild von uns in der Zeitung!“ Mein Bruder und ich rechts im Bild aus der Rück- bzw. Profilansicht. Auch ganz nett: Überall standen oder saßen kleinere und größere Menschengruppen, die sich angeregt austauschten. Autor: BriX Quelle: INDIE Hub

Gleich, aber anders

Die Geschichten, die ich auf Events wie diesem erzählt bekomme, ähneln sich oft sehr. Der Kampf um Fördermittel oder andere Finanzierungsmöglichkeiten, die Suche nach Mitwirkenden und Möglichkeiten, auf sich und sein Games-Projekt aufmerksam zu machen. Das sind die sich wiederholenden Quests der Questschmieden. Das klang auch bei den Vertretern der beiden anderen Delegationen GamesAhead aus Rheinland-Pfalz und ProMalaga aus Spanien nicht anders.

Nur im Detail gab es eben doch Unterschiede. Das Entwickler-Duo von Super Dungeon Maker zum Beispiel, musste sich um die Finanzierung nie viel Gedanken machen, weil sie relativ früh durch Kontakte den Publisher rokaplay von ihrem Konzept überzeugen konnten. Was das Projekt zudem herausstechen lässt: Die beiden Entwickler:innen hinter dem Spiel sind verheiratet und arbeiten trotzdem oder vielleicht gerade deshalb sehr harmonisch und fokussiert an der Umsetzung der Idee.

Impressionen vom zweiten Tag des Indie Game Fests 2023. Autor: INDIE Hub Film Crew, Quelle: INDIE Hub

Ein anderes Gründerteam, chanko studios, bestehend aus Guillaume Berard und Dominik Schwäger, hatte sich, sehr klassisch für ein Indie-Projekt, während des Studiums kennengelernt. Nach dem Abschluss ging es für die eine Hälfte zurück in die Heimat Frankreich. Seitdem entwickelt das mittlerweile achtköpfige Studio über die Landesgrenzen hinweg ziemlich coole und innovative Spielkonzepte wie den 2D Puzzle-Plattformer It’s a Wrap.

Wieder ein anderes Projekt hatte mit dem ambitioniertem Vorhaben eines 16-jährigen begonnen, ein neues und besseres World of Warcraft zu kreieren. Heute steht Christian Schaal an der Spitze eines Teams aus über 20 Hobbydevs, die dem fiktiven Universum von Pentaquin Leben einhauchen – mittlerweile kein MMO mehr, sondern ein 2D-Plattformer.

Bei fast 50 Aussteller:innen auf dem Indie Game Fest 2023 und nur einem Tag Anwesenheit konnte ich natürlich nicht alle Spiele antesten. Und noch weniger konnte ich mich mit jedem einzelnen der über 600 Besucher:innen (die meisten davon aus NRW, Berlin und Frankfurt am Main) austauschen. Aber egal, welches Konzept ich mir angesehen habe, egal, mit wem ich gesprochen habe, immer wieder begnete mir dieses Gefühl der Begeisterung für die gleiche Sache und eine „wir-sitzen-alle-im-gleichen-Boot“-Mentalität.

Das ist noch ein Punkt, der die besondere Atmosphäre auf dem Indie Game Fest ausmachte: Niemand hielt mit Informationen hinter dem Berg. Jeder wollte von seinem Projekt erzählen, seine Erfahrungen und seine Leidenschaft teilen. Das schloss auch mit ein, dass fleißig Tipps und Tricks für typische Problemstellungen ausgetauscht wurden. Dafür gab es sogar ein eigenes Format auf dem Indie Game Fest: Die Vorträge des Rahmenprogramms.

Spätestens auf dem Indie Game Fest wird einem klar, dass weder Gamer noch Spieleentwickler bei der Kommunikation mit der realen Welt ihre Schwierigkeiten haben – zumindest nicht, wenn sie über ihr Lieblingsthema reden dürfen. Autor: BriX Quelle: INDIE Hub

Mehr als ein Kaffekränzchen

Auch wenn ich persönlich mich die meiste Zeit von einem Gespräch zum nächsten trieben ließ, bot das Indie Game Fest natürlich noch viel mehr als die bloße Gelegenheit zum Networken.

Begleitet wurde die Indie-Ausstellung von einem bunten Rahmenprogramm, das durch Christopher Kohlhaas, den Games-Referenten des städtischen Wirtschaftförderprogramms KölnBusiness, eingeleitet wurde.

Teil des Programms an beiden Tagen war eine Vortragsreihe mit Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen, die einerseits zu typischen Indie-Dev-Themen wie Starthilfen, Rechtsfragen oder Publishing sprachen. Anderseits wurden auch allgemeine Trendthemen wie KI oder Mindfulness im Jobkontext zur Diskussion gestellt.

Am Samstag startete um die Mittagszeit zudem ein besonderer Service für Indies: Eine Portfolio-Review durch Professionals, die von den Teilnehmenden dankbar angenommen wurde und eine tolle Gelegenheit war, ein paar Tipps für die eigenen Projekte mitzunehmen.

Der Verein Letsplay4Charity e.V. begleitete das Event an beiden Tagen mit einem Live-Stream auf Twitch. Insgesamt 100.000 Zuschauer:innen verfolgten vom Sofa aus das Programm und lauschten den Gesprächen zwischen Moderatorin Carla „Raya“ Schulze Buschoff und ihren Gästen – und das für eine gute Sache.

Gemeinsam sammelten Letsplay4Charity e.V. mit ihrem Stream und Gaming Aid, die eine Tombola organisierten, 2.000 Euro während des Indie Game Fests. Je eine Hälfte der Spenden ging an das Projekt Jugendwohnen St. Engelbert, die andere an die Geralt Asamoah Stiftung.

Wer keine Zeit hatte oder wem der Weg zu weit war, um die Veranstaltung persönlich zu besuchen, konnte bequem von zu Hause aus das Programm das Live-Streams genießen. Autor: BriX Quelle: INDIE Hub

Die Indie Game Fest Awards 2023

Höhepunkt der Abendveranstaltung, die sich direkt an das Rahmenprogramm anschloss, war die Verleihung des Indie Game Fest Awards unter der Schirmherrschaft von games.nrw. Während der Kritikerpreis für das vielversprechenste Spiel an (das eben bereits erwähnte) It’s a Wrap ging, waren die Besucher vor allem von Yarn Guardians von pentapaw studios aus dem Saarland begeistert, die für ihr „Action-Cat-Venture“ (falls ihr das lest: ihr dürft das Wortspiel gerne für eure PR klauen) den Publikumspreis erhielten.

Kurz nach der Verleihung war es dann Zeit für mich die Heimreise nach Hessen anzutreten. Ich verließ das Fest mit einer prall gefüllten Kladde an Visitenkarten und Promo-Material – aber auch einem prall gefüllten Kopf mit tausenden Eindrücken und ganz viel Inspiration.

Kuschlige Kätzchen: Der Gewinner des Publikumspreises lockte nicht nur mit einem knuffigen Spielkonzept. Am Stand gab es die flauschigen Hauptcharaktere sogar in echt zum Anfassen (zumindest fast echt). Autor: BriX Quelle: INDIE Hub

Das Wichtigste zum Schluss

Den wichtigsten Faktor bei der Wohlfühl-Atmosphäre habe ich bisher gar nicht erwähnt: Das war natürlich der Veranstalter selbst. Die Organisatoren vom INDIE Hub und all die fleißigen Helfer im Hintergrund. Vor allem aber Stefan Schmidt, der das Projekt gemeinsam mit Kristin Janulik ins Leben gerufen hat.

Egal, wo ich ihn getroffen habe, egal mit wem er gesprochen hat, egal ob mit einzelnen Menschen oder zum Publikum: Sein Ton war immer so freundschaftlich-herzlich, seine Laune immer eine Hand breit höher als das Stress-Level hinter den Kulissen, dass man fast keine andere Wahl hatte, als sich immer willkommen und umsorgt zu fühlen.

Vielen Dank für das schöne Erlebnis! Und vermutlich sieht man sich dann im nächsten Jahr wieder – wie bei jedem guten Familientreffen.

Credits Bildmaterial Autor: BriX Quelle: INDIE Hub

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