Am 3. Dezember durften wir live bei der Verleihung des Deutschen Entwicklerpreises 2024 dabei sein. In unserem Bericht geben wir euch einen persönlichen Blick auf das Gala-Event im historischen Bau Gürzenich in Köln.
Wenige Spuren sieht man heute noch vom origanlen, im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörten spätgotischen Festsaalbau. Doch beim Betreten der imposanten Wandelhalle im Eingangsbereich mit der großen Haupttreppe spürt man sofort, dass dieser Ort eine lange Tradition im Feiern fürstlicher Feste hat.
Auch der Deutsche Entwicklerpreis hat Tradition: In den 20 Jahren seit seiner Gründung ist er zu einer der zentralen Institutionen für die deutsche Games-Branche gereift, der für die Entwicklerlandschaft und deren Förderung eine wichtige Rolle zukommt. Seit seiner Premiere am 12. November 2004 in Essen ist das Format viel herumgekommen und hat sich beständig weiterentwickelt. Im Jahr 2024 ist natürlich KI Teil des Programms. So moderierte neben Daniel Budimann mit Lynne (gesprochen von Lynne Glaner) ein digitales Wesen das Gala-Event.

Genuss-Momente in guter Gesellschaft
Ja, es gab ein fürstliches Buffet und ja, es war sehr gut. Und nein, ich habe keine Fotos davon gemacht. Aber es gibt ein (Beweis-)Foto von mir mit Andi von Manasoup, wie wir uns nett darüber unterhalten, wie lange wir uns nicht gesehen haben und wie schön es ist, dass solche Events uns doch immer wieder zusammenführen. Die Zeit bis zum Beginn der eigentlichen Verleihung nutzte nicht nur ich zum intensiven Austausch. Das Networking ist und bleibt der Kern solcher und anderer Veranstaltungen.

Um den (gesellschaftlichen) Zusammenhalt und die besondere Bedeutung von Games in diesem Zusammenhang ging es auch in der Eröffnungsrede von Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, der uns herzlich im Rheinland und in der selbsternannten Games-Hauptstadt Deutschlands willkommen hieß. Auch wenn andere wichtige Medienstandorte wie Berlin, Hamburg oder München sicherlich mithalten können, hat das besondere Engagement für Games in der Rheinmetropole, die auch Heimat der gamescom ist, durchaus Vorbildcharakter. Apropos Leuchtturmprojekte…
Keen Games: Glanzmomente gemeinsam feiern
Gleich viermal wurde Keen Games an diesem Abend auf die Bühne gebeten, um einen der 14 Awards entgegenzunehmen und hatte damit den wohl längsten großen Moment des Abends (auch weil bei zwei der Awards alle anwesenden Keen-Mitarbeiter auf die Bühne kamen, was etwas Zeit in Anspruch nahm): Beste Technische Leistung, Bestes Gamedesign und vor allem Bestes Deutsches Spiel und Bestes Studio – die Liste der Auszeichnungen lässt keinen Zweifel daran, dass die Frankfurter Entwickler mit ihrem kooperativen Survival-Action-RPG Enshrouded einen Volltreffer gelandet haben.

Obwohl sich der Titel noch im Early Access befindet, konnte er bereits über 3 Millionen SpielerInnen für sich begeistern. Die Rezensionen auf Steam sind durchweg positiv. Während dort vor allem das Gameplay gelobt wird, heben Branchen-Kritiker besonders die herausragende Eigenleistung hervor. Denn Keen hat in Larian-Manier alles selbst gemacht, inklusive eigener Engine. Und das alles ohne Unterstützung eines Publishers.
Von Erfolgsmomenten und Momentanerfolge
Ein gutes Spiel ist allerdings nicht zwangsläufig (finanziell) erfolgreich. Diese schmerzliche Erkenntnis ließen Osmotic Studios durchblitzen, als sie sich für die Auszeichnung in der Kategorie Beste Story bedankten. Die tiefe, emotionale Geschichte von Closer the Distance habe sich nicht besonders gut verkauft. Umso wertvoller sei der Preis und die damit verbundene Anerkennung. Und diese Wertschätzung hat die Slice-of-Live-Simulation an diesem Abend gleich dreimal erfahren dürfen. Neben dem Award für die Beste Story gewann Closer the Distance noch den Innovationspreis und den Award für das Beste Audiodesign.

Was vermutlich niemanden aufgefallen sein wird: Sounddesignerin Mathilde Hoffmann gehörte als Teil zweier Teams wahrscheinlich zu den meistnominiertesten Personen an diesem Abend. Darunter für ihr eigenes Projekt ODDADA, das alleine schon in drei Kategorien auf einen Sieg hoffen durfte. Zwar ging der cozy Music-Builder beim DEP leer aus, aber Mathilde bekam den Preis für das Beste Audiodesign in Closer the Distance. Wir sind uns sicher, dass wir in Zukunft bestimmt noch mehr von ihr „hören“ werden.
ODDADA hätte sicherlich einen Preis verdient, hatte es aber immer wieder mit starker Konkurrenz zu tun. So auch in der Disziplin Beste Grafik. Während niemand anzweifeln würde, dass das spielerisch-bunte Design von ODDADA rundum gelungen und ansprechend ist, sticht Gewinner Harold Halibut am Ende durch die liebevoll, von Hand geschaffene Stop-Motion-Inszenierung hervor. In drei anderen Kategorien musste sich das Narrations-getriebene Spiel jedoch anderen Projekten geschlagen geben.
Große Momente für die „Kleinen“
Mit der Kategorie Bestes Casual Game werden Spiele gewürdigt, die ohne epische Inszenierung und mitreißendes Storytelling auskommen, sondern einfach nur kurzweilige Unterhaltung bieten. Genau dies erfüllte laut Jury-Entscheidung CubeQuest – A QB Game von Solo-Dev Stephan Göbel in herausragender Weise. CubeQuest sei des perfekte Casual Game für unterwegs, urteilten die ExpertInnen. „Mit seiner intiuitiven Spielmechanik, der minimalistischen Ästhetik und den kurzen, knackigen Sessions eignet es sich für jede Situation, ob im Bus oder im Wartezimmer,“ heißt es weiter in der Begründung für den Sieg.
Apropos Wartezimmer: Der Preis in der Kategorie Bestes Game Beyond Entertainment ging an die EntwicklerInnen von Little Bat Games für ihr Serious Game Vampire Therapist. Die Visual Novel regt spielerisch zur Selbstreflektion an, indem sie Elemente aus der kognitiven Verhaltenstherapie integriert. Der skurrile Humor macht komplexe Themen leichter verständlich und kommt nicht von ungefähr: Die Dankesrede von Gründer, Autor und Sprecher Cyrus Nemati sprühte vor Witz und Charme.
Dass es beim Deutschen Entwicklerpreis nicht nur um Unterhaltung geht, zeigen die beiden Ausschreibungen für den Sonderpreis für Soziales Engagement, der in diesem Jahr an die Aktion Sterzik Lan und den NRW-Förderpreis für junge Entwicklerinnen ging.
Die Laudatio auf den Förderpreis hielt die letztjährige Preisträgerin Leonie Wolf, Associate Art Director und Moderatorin, gemeinsam mit Till Hardy, Leiter New Media und der Standortentwicklung der Film- und Medienstiftung NRW. Leonie betonte, wie wertvoll dieser Preis sei, der zeige: „Deine Arbeit wird gesehen und wertgeschätzt“. Das sei gerade für marginalisierte Menschen wichtig. Auch Preisträgerin Kathrin Radtke freute sich über die Wertschätzung der Jury, die in ihr nicht nur eine talentierte Entwicklerin sieht, sondern auch ihr Engagement für Diversität lobt.
Ebenfalls an den EntwicklerInnen-Nachwuchs richtet sich der Ubisoft Newcomer Award. Dieser ging an das Team von Pipapo Games für ihr Projekt Map Map – A Games About Maps, ein cozy Exploration-Puzzle-Game rund um das Thema Kartografieren. Von der Stimmigkeit des Konzepts könnt ihr euch unter anderem in unserem Indie-Schaukasten überzeugen.



Mit einer Fördersumme von 12.000 Euro in der Tasche durfte sich das Team von Microbird Games auf den Nachhauseweg nach Wien machen. Ob sie heil angekommen sind? Der Weg über die Alpen hat es nämlich in sich, wie sie selbst in ihrem Adventure-Game Dungeons of Hinterberg fantasieren. Statt Bergziegen und Alpenveilchen erwarten die Heldin hier actiongeladene Kämpfe gegen fiese Monster. Für ihre futuristische Inszenierung eines malerischen Alpenpanoramas erhielten die Österreicher die Auszeichnung als Bestes Indie Game.
Dein Moment
Die After-Show-Party musste ich persönlich wegen der langen Heimreise relativ früh verlassen. Doch der Kopf war sowieso schon voll mit Eindrücken und einer Sammlung von vielen schönen Momenten. Und welcher ist EUCH besonders in Erinnerung geblieben?
Quelle Bildmaterial: Deutscher Entwicklerpreis (Autor: eosAndy)

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