Scheuer und Bär auf der Gamescom: Gutes Omen oder Stimmenfang?

Quelle: dpa

Andreas Scheuer und Dorothee Bär eröffnen am 20. August die Gamescom 2019. Hilft es der Videospiel-Branche, dass sich hochrangige Politiker mit ihr in Verbindung bringen oder wird sie nur ausgenutzt, um junge Wähler wieder für biedere Volksparteien zu begeistern?

Sie sind das neue Power-Pärchen der CSU: Andreas Scheuer und Dorothee Bär (beide CSU). Auserkoren, das Image ihrer Partei und Regierung in der Öffentlichkeit ein wenig aufzupolieren. Besonders junge Wähler sollen wieder ins Boot geholt werden. Das lässt sich nur mit (relativ) jungen Politikern bewerkstelligen.

Also zeigen sich die beiden Bayern bei jeder großen Videospiel-Veranstaltung. Denn wo die Bundeswehr junge Bürger für sich gewinnen kann, da sicherlich auch die CSU. Selbst kostümiert lassen sich die Staatsministerin für Digitalisierung und der Verkehrsminister mit professionellen Cosplayern ablichten. Beim Deutschen Videospielpreis sahen sie aus wie die deutschen Versionen von Clark Kent und Wonder Woman.

Braucht es das? Ja!

Polemik bei Seite – wie ist der Schulterschluss der Politik mit der Games-Branche wirklich zu werten? Schaden können die Auftritte keinen anrichten. Eine Gefahr der Politisierung von Videospielen ist nicht vorhanden. Die Kunst- und Meinungsfreiheit in unserem Land stehen auf einem starken Fundament.

Wenn es ein Problem damit gibt, dass Politiker Videospiele für ihre Selbstdarstellung entdeckt haben, dann nur, dass diese Präsenz von den eigentlichen Problemen ablenkt. Scheuer hat vor Kurzem erst die Games-Förderung des Bundes eingestampft. Und jetzt eröffnet er die Gamescom, als wäre nichts gewesen.

Grundsätzlich gilt aber: Mehr davon! Mehr Politiker auf Games-Veranstaltungen. Dem Bürger gefällt diese Freizeitbeschäftigung. Die Bürger werden durch sie geprägt. Mehr als durch Filme und Musik, die von den Nutzerzahlen und Umsätzen längst abgehängt wurden. Und Politiker verstehen das Volk nur, wenn sie dessen Freizeitaktivitäten verstehen.

Ein tiefgreifendes Verständnis der Politik für Videospiele kann nur sukzessive entstehen. Die Auftritte von Scheuer und vor allem Bär sind ein gutes Zeichen. Welche Intention dahinter steht, spielt dafür keine Rolle. Es zeigt, dass die Branche ernst zu nehmen ist, dass man mit ihr rechnen muss. Ich lese lieber über den Misslungenen Auftritt eines Politikers bei einer Videospiel-Preisverleihung, als über Bundestagsdebatten über das Verbot von Killerspielen.