Der klassische Videospiel-Journalismus in Deutschland konzentriert sich noch immer sehr stark auf AAA-Titel. Das macht es für Indie-Entwickler schwer, die nötige öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Games zu generieren. Es gibt jedoch ein paar Dinge, die auch kleine Teams selbst tun können, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ein größeres Publikum zu erreichen. In diesem Beitrag habe ich für euch ein paar Basics zusammengefasst, die grundlegend für eure Öffentlichkeitsarbeit sind.
Catchy Überschrift, hm? Aber keine Sorge: Um Google und SEO wird es heute nicht gehen. Zumindest nicht vordergründig. Vielmehr geht es in diesem Artikel darum, wie ihr eine Grundlage schafft, von Suchenden gefunden zu werden und auf euch beziehungsweise euer Projekt aufmerksam zu machen.
Man sollte meinen, es ist selbstverständlich, dass ein Entwickler über eine Webseite verfügt, seine Social Media-Kanäle befüllt und unablässig daran arbeitet, seine Community zu vergrößern. Ist es aber leider nicht.
Während der Recherchen für meine Artikel fällt mir immer wieder auf, wie unzureichend die Informationen sind, die Indie-Entwickler selbst zur Verfügung stellen. So auch jüngst, als ich den Sammel-Artikel zu allen Projekten schrieb, die bisher durch die Bundesförderung vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert wurden.
Von Natur aus neugierig, habe ich mich dabei auf der Homepage und den sozialen Kanälen genauer umgesehen. Dabei bin ich in Bezug auf die Eigenvermarktung auf ein breites Qualitätsspektrum von Yeah! bis Autsch! gestoßen. Zwar habe ich keine systematische Analyse und Bewertung vorgenommen, doch es gab einige offensichtliche Lücken.
Daher hier eine kleine Wunschliste von mir als Presse-Tante an euch als Entwickler, und gleichsam ein paar Tipps, wie ihr euch und euer Game pressereif in Szene setzt.
Tipp Nr. 1: Habt eine Webseite
Ohne Online-Präsenz seid ihr online nicht präsent. So einfach ist das! Eine Webseite zu bauen ist kein Hexenwerk. Es gibt dafür unzählige Anbieter und Tools, mit denen ihr ohne großen Aufwand und vor allem ohne Programmier- oder Webdesign-Kenntnisse eine vorzeigbare Homepage basteln könnt. Sucht euch einfach ein Angebot aus und legt los!

Tipp Nr. 2: Habt lieber eine funktionale als gar keine Webseite
Denkt bei der Umsetzung eurer Webseite lieber klein. Auch wenn ihr sicher schon eine tolle Vision von eurem super interaktiven und krass multimedialen Webauftritt habt – so lange er nicht online ist oder im Baustellen-Modus verharrt, kommt niemand an Informationen über euch. Eure Webseite ist eure digitale Visitenkarte, die ihr stehts zur Hand haben solltet. Ein schickes Design macht sicher Eindruck, aber wichtiger ist, was drauf steht.
Tipp Nr. 3: Stellt euch und euer Team auf der Homepage vor
Was eure Homepage unbedingt braucht ist eine About-Seite, auf der ihr beschreibt, wer ihr seid und was ihr macht. Das kann auch gerne direkt auf der Startseite sein. Ihr müsst nicht euren kompletten Lebenslauf auflisten, aber ein paar zentrale Hintergrundinformationen zu eurer Entstehung oder eurer Motivation, Games zu machen, kommen immer gut an. Sympathisch wirkt auch eine Vorstellung des Teams – bestenfalls mit Bildern.

Tipp Nr. 4: Setzt eure Games auf eurer Homepage in Szene!
Das Herzstück eurer Webseite ist natürlich euer Projekt (oder eure Projekte). Eine Kurzinfo zum Inhalt und Spielprinzip sind das Minimum. Screenshots und Videomaterial (möglichst kurz) helfen dem Betrachter, sich ein besseres Bild vom Konzept zu machen. Falls vorhanden passt hier auch der Link zu Steam, itch.io oder anderen Plattformen.
Tipp Nr. 5: Habt auf euer Homepage einen Pressebereich
Während die vorangegangenen Punkte wirklich absolute Basics sind, kommen wir nun zu einem etwas fortgeschrittenerenTipp: Selbst wenn die Veröffentlichung eures Games noch in weiter Ferne ist, nehmt euch die Zeit und bastelt einen kleinen Bereich für die Presse. Hier können sich Interessierte in einer entsprechend aufbereiteten Unterseite noch einmal umfassend über das Spiel und das Team informieren, einen News-Letter abonnieren oder sich für den Presseverteiler registrieren.
Nicht fehlen dürfen Kontakt-Möglichkeiten und Ansprechpartner sowie Bildmaterial, also Logo, Screenshots, Teamfoto, Videos, etc. Am besten verpackt ihr das alles noch einmal kompakt in einem downloadbaren Pressekit. Oh, und falls ihr einen Newsletter oder eine PM verschickt/online stellt, achtet unbedingt darauf, dass ihr passendes Bildmaterial (für online und offline Medien) mitliefert.

Tipp Nr. 6: Nutzt Social Media (und verlinkt es auf eurer Homepage)
Social-Media-Kanäle erhöhen eure Sichtbarkeit. Punkt. Und sie sind ein tolles Instrument, um euch und euer Projekt näher kennenzulernen oder mit euch interagieren zu können. Sobald ihr euch einen Social-Media-Kanal angelegt habt, vergesst nicht, ihn auf euerer Webseite zu verlinken. Klingt selbstverständlich, wird aber tatsächlich gelegentlich vergessen.
Tipp Nr. 7: Pflegt eure Social Media-Kanäle
Eure Social Media-Profile sollten natürlich vollständig sein und ALLE regelmäßig gepflegt werden. Da ihr vordergründig euer Spiel entwickeln wollt, ist es völlig okay, wenn ihr euch zunächst auf einige wenige konzentriert und dann später überlegt, welche sonst noch zu euch und eurer PR- und Marketing-Strategie passen.
Für welche ihr euch entscheidet, sollte abhängig davon sein, welche Zielgruppe ihr erreichen und ob ihr vordergründig B2B- oder B2C-Marketing betreiben wollt. Für den Business-Bereich ist LinkedIn wichtig. Die internationale GameDev-Szene ist stark auf Twitter vertreten. Facebook ist in Deutschland noch immer grundlegend (kaum ein Studio oder eine Institution hat keinen Facebook-Account). Instagram ist ein netter Bonus, Tik-Tok nicht mehr nur für Jüngere relevant. Falls ihr Videos habt, könnt ihr sie auf euren eigenen YouTube-Kanal hochladen. Twitch, Blog oder Podcasts sind super, aber kein Muss. Dagegen gewinnt Discord immer mehr an Relevanz und ist perfekt, um euch eine Community aufzubauen.

Tipp Nr. 8: Baut euch ein Netzwerk auf
Was vielen gar nicht bewusst ist: Auch euer engerer Freundes- und Bekanntenkreis ist ein Netzwerk, das ihr nutzen dürft und solltet. Sei es zu Test-Zwecken für euer Game oder weil ihr zufällig jemanden kennt (der jemanden kennt), der euch in Rechtsfragen oder bei Finanzierungsmöglichkeiten unter die Arme greifen kann.
Hört aber hier nicht auf! Geht auf Branchen-Events, geht auf Leute zu, unterhaltet euch, habt dort einen Stand – und sei es in Form eines Sammelstandes, wie ihn der Games/Bavaria beispielsweise für die gamescom anbietet. So bin ich auf die drei Projekte aufmerksam geworden, über die ich bisher ein Portrait geschrieben habe. Seid in einschlägigen Communitys aktiv, beispielsweise auf Discord oder Reddit. Schaut beim Networking nicht nur auf die dicken Fische. Vernetzt euch vor allem auch mit anderen Indies, denn ihr sitzt im selben Boot, könnt euch gegenseitig unterstützen und Erfahrungen teilen.
Tipp Nr. 9: Holt euch Hilfe von den Profis
Wenn ihr euch ein Spielkonzept überlegt und euch Gedanken macht, wie und mit wem ihr es umsetzt, ist der PR-Manager wahrscheinlich der letzte, der euch einfällt. Muss es aber nicht. Denn genauso wie es Programmier-Neulinge oder Grafik-Einsteige-innen gibt, so gibt es auch Menschen die gerade erst ihre Ausbildung in PR oder Kommunikation begonnen haben und gerne mit euch wachsen. Wenn das nicht klappt oder warum auch immer für euch nicht infrage kommt, habt ihr außerdem die Möglichkeit, euch Rat von den Profis zu holen. Tauscht euch mit anderen, bereits erfolgreichen Entwicklern und Entwicklerinnen aus. Nutzt die Angebote von Förderinstitutionen, wie der Gamecity Hamburg oder Games/Bavaria und lasst euch dort beraten.

Tipp Nr. 10: Sucht nach passenden Kooperationspartnern/Medien
Geht aktiv auf Presse oder Influencer, Streamer, Podcaster, etc. zu. Größer ist dabei nicht unbedingt besser. Viel wichtiger ist, dass das Medium oder der Kanal zu euch und eurer Zielgruppe passt. Bastelt ihr beispielsweise gerade an einem Adventure-Game, könnte ein umfassendes Feature auf adventure-treff.de mehr bringen, als eine Erwähnung bei einer großen Spieleseite. Natürlich dürft ihr es trotzdem auch dort versuchen. Direkt die/den Adventure-Expertin/Experten anzuschreiben ist hierbei effektiver, als die „info@-Adresse“ zu nehmen. Und wenn ihr nach dem ersten Mal keine Antwort bekommt, schreibt ruhig ein zweites Mal.
Zum Schluss noch ein sehr allgemein gehaltener Bonustipp: Je mehr Material ihr selbst liefert, desto weniger müssen Presse und Co. suchen und desto weniger wahrscheinlich finden sie dabei Dinge, die ihr lieber nicht an die breite Öffentlichkeit weitergegeben hättet. Zum Beispiel ein alter Screenshot, der entstand, bevor ihr euch eine/n Grafiker/in ins Team geholt habt. Mit anderen Worten: Ihr habt die Macht, die Inhalte zu steuern, die über euch veröffentlicht werden. Nutzt das 😉

Sehr verständlich geschriebener und hilfreicher Artikel. Bestimmt für einige Indie Game Studios sehr hilfreich, was Marketing & PR angeht!
„Ganz ehrlich? Der Artikel liest sich wie ein Paradebeispiel dafür, wie man mit viel Text wenig Substanz liefern kann. Statt echten Input oder neue Perspektiven für Indie-PR zu bieten, wird hier ein Sammelsurium aus Binsenweisheiten aufgekocht – natürlich garniert mit dem obligatorischen „Catchy Überschrift“-Augenzwinkern und der (scheinbar) selbstkritischen Bemerkung, dass es nicht um SEO geht. Spoiler: Geht es doch.
Die Tipps? Grundsätzlich okay – aber banal und redundant. Dass man eine Website braucht und Social Media pflegen sollte, ist 2025 nicht gerade Breaking News. Viele Absätze wirken wie Selbstgespräche des Autors („Von Natur aus neugierig…“) statt wie ein fokussierter Ratgeber. Und dann diese Mischung aus flapsigem Ton („Yeah! bis Autsch!“, „kein Hexenwerk“) und belehrenden Floskeln („So einfach ist das!“) – da weiß man gar nicht, ob man gerade auf einer Indie-PR-Schulung ist oder einem Stammtisch zuhört.
Was wirklich fehlt: Priorisierung, Tiefe und echte Beispiele. Wo sind die Analysen von funktionierenden Presskits? Wo mal ein Screenshot, der zeigt, wie man es gut macht (statt nur zu sagen „macht’s halt gut“)? Stattdessen wird endlos doziert und gestreift, aber nichts vertieft. Weniger Plauderei, mehr Substanz – das wäre PR-Basic Nr. 1 gewesen.
Lieber Broesel,
vielen Dank für deinen Kommentar und die Verbesserungsvorschläge.
Ich gebe dir in einem Punkt auf jeden Fall Recht: Der Artikel braucht dringend ein Update – oder weitere Artikel als Ergänzung, die bestimmte Aspekte vertiefen. Ich habe ihn vor vier Jahren verfasst und seit dem ist sicher nicht nur bei mir, sondern auch bei Indies das Erkenntnis-Level gestiegen.
Dennoch: In diesem Artikel geht es um absolute Basics – daher heißt er auch „PR-Basics“ und nicht „PR-Pro-Tipps“. Tatsächlich ist er eine direkte Antwort auf die faktischen Mängel, die ich in der Kommunikation bei sehr vielen Indies gesehen habe. Steht auch so in der Einleitung 😉
Ich bin mir nicht sicher, ob bei dir die Bilder nicht angezeigt werden, denn ein Screenshot von einer funktionierenden Presskit-Seite sowie ein direkter Link zum entsprechenden Tool, mit dem man so ein Presskit leicht erstellen kann, ist im Artikel enthalten. Ich nehme aber auch das mit, dass eine direkte Gegenüberstellung von Does und Don’ts das Wissen leichter zugänglich macht und werde das bei einem zukünftigen Artikel aus diesem Themenkomplex aufgreifen.
Mein Ton in dem Artikel ist sicherlich Geschmackssache – für mich war er damals (und ist es teilweise bis heute) ein zentrales Element MEINES Blogs. Ich bin schließlich nicht die PC-Games und das soll man auch durchaus herauslesen dürfen. Und wenn ich Dinge aus meiner persönlichen Perspektive beleuchte, würde ich auch grundsätzlich weiterhin diesen Ton wählen. So bin ich. Das ist meine Art zu schreiben. Ich gebe aber zu, dass er für einen Event-Bericht eher passt als für einen informativen Artikel.
Mit anderen Worten: Ich lese bei dir heraus, dass du über Basics schon hinaus bist und gerne tiefer in das Thema einsteigen möchtest. Daher verstehe ich, dass du mehr erwartet hättest. Ich bin aber trotz der Kritik überzeugt, dass es da draußen noch genug Menschen gibt, für die der Artikel ein toller Reminder ist, ein paar der Basics in den Griff zu bekommen, bevor sie sich „größeren“ Marketing- und Kommunikationsaufgaben widmen 😉
Falls du bis zum nächsten Artikel aus dem Themenfeld nicht warten willst, kannst du auch gerne jetzt schon konkrete Fragen stellen und ich versuche sie gerne zu beantworten.
Lieben Gruß,
Kalle