Thoreau Walden Hütte

Was sind die Chancen der Coronakrise?

Jeder Tag beginnt momentan mit negativen Schlagzeilen, negativen Nachrichten, negativen Berichten über den Coronavirus. Krisen bergen aber auch Möglichkeiten. Nur scheint momentan keiner bereit, darüber zu reden. Der Versuch eines positiven Ansatzes – für die Zukunft und das Hier und Jetzt.

Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere, heißt ein Sprichwort. In Sachen Coronavirus mag das, angesichts des in Deutschland noch lange nicht erreichten Höhepunktes der Pandemie, zynisch klingen. Es ist aber nur der Versuch, auch den schlimmsten Situationen etwas positives abzugewinnen.

Was sind unsere Chancen in der Coronakrise? Nein, gemeint ist nicht die Entlastung des Rentensystems oder die Möglichkeit, durch den Aufkauf von Atemmasken reich zu werden. Gemeint ist: was kann jeder von uns aus dieser Extremsituation mitnehmen, was kann jeder von uns anders machen, wenn der Virus in einigen Monaten eingedämmt sein sollte?

Gurus und Persönlichkeitsoptimierer sprechen gerne von Entschleunigung. Der momentane Zustand ist in weiten Teilen sogar ein Stillstand, der uns zwingt, uns zurück zu nehmen. Arbeiten von Zuhause, keine Freizeitaktivitäten unter Menschen, Schulen und Kitas geschlossen, kein Sport in Stadien und Fernsehen. Und im Bezug auf die Gamesbranche: keine Messen und Veranstaltungen.

Wie lernfähig ist der Mensch?

In vielen Bereichen war die Reaktion auf die unausweichliche Pandemie sehr behäbig. Noch immer hört man an jeder Ecke, dass die Grippe doch viel schlimmer sei als der Coronavirus und sich deswegen niemand derart aufrege. Es gibt jedoch überraschend viele Stimmen der Vernunft, gerade aus Politik und Wirtschaft, die eine funktionsfähige Gesellschaft über Einzelinteressen stellen.

Auch die Games-Branche hält zusammen: nach der Absage der GDC, sammelten einige Firmen Geld in einem Fond, um kleinen Entwicklern zu helfen, die bereits Ausgaben hatten. Solche Maßnahmen werden auch in anderen Industriezweigen ergriffen. Sogar im deutschen Fußball wird über Solidaritätsfonds nachgedacht. Corona könnte die Verantwortlichen dazu bewegen, den Kapitalismus ein wenig zu sozialisieren. Solidarität statt unbedingtem Konkurrenzkampf.

Damit hätte die Gesellschaft die Chance, die Schere zwischen Arm und Reich ein wenig zu schließen, bevor die Entwicklung ihren Scheitelpunkt erreicht und notabene eskaliert. Natürlich besteht die Gefahr, dass es in die komplett andere Richtung geht: Arme werden noch ärmer, Angestellte auf den unteren Positionen werden wegrationalisiert, kleine Betriebe müssen dicht machen und nur die Großen überleben. Auf diesem Nährboden könnten Hass und politischer Extremismus weiter gedeihen.

Zurück zu uns

Kommen wir zurück zu uns, zurück zum Individuum. Denn trotz unterschiedlicher medizinischer Versorgung, je nach Region und Einkommen, kann es theoretisch jeden treffen – sogar Tom Hanks und Johannes B. Kerner. Nicht nur die Globalisierung, sondern auch Interaktionen auf der persönlichsten Ebene, sind vorerst auf Eis gelegt (oder sollten es sein). Gezwungen, uns auf uns selbst zu konzentrieren, haben wir die einmalige Möglichkeit, besser zu werden. Und gute, gesunde Individuen sind die Voraussetzung für eine gesunde Gesellschaft.

Welche Philosophie hilft uns der momentanen Situation am besten? Der Hedonismus. Hedonismus bedeutet, im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung nicht, dass wir uns maßlos vergnügen und schlemmen sollten (im Gegenteil: Haushalten mit Lebensmitteln und Ressourcen ist angesagt). Hedonismus bedeutet, sich zurückzuziehen aus dem öffentlichen Leben. Sich mit sich selbst und einem kleinen Kreis um sich herum zu beschäftigen. Besser zu werden, als Individuum. Und wenn die Gesellschaft sich wieder öffnet, formen wir gemeinsam ein besseres Ganzes.

Was lehren uns Spiele, Bücher, Filme und Serien, die sich mit apokalyptischen Szenarien beschäftigen? Alles ist Mist und jeder kämpft gegen jeden, zum einen. Zum anderen aber, dass ein Ende der Gesellschaft, wie wir sie kennen, uns neue Perspektiven eröffnet. Wir haben die einmalige Chance, diese Perspektiven anzuwenden, denn unsere Gesellschaft ist nicht tot, sie setzt nur aus. Also nutzen wir diese Chance. Und wenn es doch schief geht, können wir noch immer von unserem Balkon aus der Welt beim Brennen zusehen und dabei ein Bier trinken.

Bildquelle: Wikipedia

Published by

Johnny

Nichts ist wahr, alles ist erlaubt.

2 thoughts on “Was sind die Chancen der Coronakrise?”

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