E3 2019: Was bleibt

https://www.wired.com/story/keanu-reeves-e3-hack-border-photos-robocalls/ Quelle: Bloomberg

Die E3 ist immer eine nette Show. Doch was bleibt, wenn das letzte Feuerwerk verraucht und das PR-Geplapper verstummt?

Die E3 ist mal wieder im Umbruch. EA machte dieses Jahr ihr eigenes Ding und Sony blieb der Messe gleich komplett fern. Die nächsten Jahre könnte das Event weiter an Relevanz verlieren. Schon in diesem Jahr gab es kaum Highlights, positiv wie negativ. Das war für uns erwähnenswert:

Das war positiv

Microsoft

Die großen Exklusiv-Spiele waren auch in diesem Jahr wieder nicht dabei, aber das war auch nicht zu erwarten. Die gekauften Studios brauchen noch mehr Zeit. Mit über 60 Spielen wirkte die Show gestopft, was auch an der Abwesenheit von Sony lag. Viele Spiele von Drittherstellern, viele kleinere Projekte, doch das Feeling stimmt. Mit Double Fine sichert man sich ein weiteres talentiertes Studio. Game Pass Ultimate macht Abo-Services sogar für Spiele-Sammler wie mich interessant. Und bei der nächsten Xbox (Project Scarlett) scheint man sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Not breathtaking, but pretty good.

Nintendo

Nintendos Direct war das Gegenteil der Xbox-Show. Unaufgeregt und kurz. Und in der Rückbetrachtung sogar besser als live empfunden. Das Wichtigste: Die Switch hat dieses Jahr noch einiges zu bieten, darunter Link’s Awakening und Luigi’s Mansion 3. Nintendo hat nicht das Problem, im kommenden Jahr eine neue Konsole einführen zu müssen. Metroid Prime 4 hätte gereicht, um die Präsentation uneingeschränkt positiv bewerten zu können. Aber immerhin gab es am Ende noch die Ankündigung eines Nachfolgers zu Zelda: Breath of the Wild.

Witcher 3 für Switch

Ich werde es nicht in 520p (im Handheldmodus) spielen, aber dass The Witcher 3 überhaupt für die Switch kommt, ist beeindruckend.

EA hält sich raus

EAs Pressekonferenzen gehörten die letzten Jahre immer zu den negativen Highlights der E3. Dieses Jahr wurden die Spiele einzeln gezeigt – so konnte jeder je nach Interessenschwerpunkt im Stream vorbeischauen. Daran sollten sich einige ein Beispiel nehmen.

Die Rückkehr der JRPGs

Nicht nur Final Fantasy 7 sieht extrem gut aus. Es wurden eine ganze Menge neuer RPGs aus Japan angekündigt. Darunter Tales of Arise, Oninaki und einige mehr. Viele ältere Titel kommen zudem für die neuen Konsolen – Trials of Mana, Fantasy Star Online 2, FF 8, The Last Remnant, um nur ein paar zu nennen. Mein Interesse an dem Genre ist zwar lange erloschen, doch wird es genug Fans geben, die sich daran erfreuen.

Indies

Nach dem Ende des großen Indie-Hype vor einigen Jahren, hatte viele Angst, unabhängige Projekte könnten ihren hart erkämpften Platz wieder verlieren. Dem ist nicht so. In jeder Show und an jeder Ecke waren Indies zu finden.

Das war negativ

2020

Fast alle großen Spiele auf der E3 wurden für 2020 angekündigt. Auch wenn das nächste Jahr einiges verspricht, ist es doch enttäuschend, dass wir die nächsten Monate kaum etwas geboten bekommen. Damit zusammenhängend ist auch der Mangel an echtem Gameplay. Extrem viele Titel wurden nur angeteasert oder mit CG-Trailern beworben. Das ist nicht mehr modern.

Bethesda

Die Show hätte sich Bethesda sparen können und eine separate Präsentation zu Doom Eternal abhalten sollen. Der Rest waren Updates, die nur die jeweiligen Communities interessieren dürften und zwei Neuankündigungen ohne jegliches Gameplay. Der ersten Reihe scheint das gezeigte aber gefallen zu haben – geht man nach dem ununterbrochenen Gebrülle.

Abo-Services

Jeder Publisher versucht momentan seinen eigenen Abo-Service auf dem Markt zu platzieren. Das fragmentiert den Markt und macht diese immer uninteressanter. Die Konsumenten werden bei zu viel Konkurrenz verwirrt. Das negative Highlight ist UPlay Plus, das genauso viel kostet wie der Game Pass Ultimate.

Avengers und die Arroganz

Mit dem von Crystal Dynamics entwickelten Avengers-Spiel möchte Square Enix 2020 das Spiel des Jahres liefern. Unwahrscheinlich. Die bekannten Charaktere sehen im Spiel eigenartig aus. Nicht ganz richtig. Und die Aussagen zum Gameplay erinnern an andere Heilsbringer wie Destiny und Anthem. Square muss aufpassen, dass sie mit dem Mega-Projekt nicht ordentlich auf die Nase fliegen.

Modeerscheinungen

Ubisoft wird hier nicht als Ganzes aufgeführt, weil sie mit Watch Dogs Legion und Gods & Monsters interessante Neuankündigungen zu bieten hatten. Was zwischen den beiden Spielen passierte, war unerträglich. Ein Community-Update nach dem anderen. Speile, die künstlich am Leben gehalten werden. Ständige Aufforderungen, sich irgendwo anzumelden. Diese Dinge haben auf einer E3-Präsentation nichts zu suchen. Und direkt nach der Show, wenn die Zuschauer eigentlich die epischen Trailer sacken lassen sollten, wird zur Übertragung eines Rainbow Six-Turniers geschnitten, deren Präsentation sich an 12-jährige richtete. Ein völlig überdrehter Moderator im Gangster-Outfit lispelt Namen von kompetitiven Gamern herunter, die mir absolut nichts sagen. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu alt.