Wer Games mit Online-Features entwickelt, muss diese ab Juni 2026 gründlicher hinterfragen. Das europäische Einstufungssystem PEGI integriert künftig sogenannte „interaktive Risiken“ in seine Bewertung. Von In-Game-Käufen über NFTs bis hin zu Daily Quests: Einige bereits viel diskutierte Mechaniken werden künftig für eine höhere Einstufung sorgen.
Die PEGI bewertet ab diesem Sommer nicht mehr nur die reinen Inhalte (wie Gewalt oder Schimpfwörter), sondern knöpft sich gezielt Funktionen und Monetarisierungs-Mechaniken vor. Als Inspiration für die Novellierung der Bewertungsstandards dienen die Updates der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) in Deutschland, die bereits 2023 ein neues Jugendschutzgesetz eingeführt hat.
Diese neuen Bewertungsgrundlagen, haben sich hierzulande bereits bewährt: Laut USK-Geschäftsführerin Elisabeth Secker griff bei rund 30 Prozent aller eingereichten Spiele seit 2023 mindestens eines der neuen Kriterien – bei jedem dritten dieser Titel führte das direkt zu einer höheren Altersfreigabe. In enger Zusammenarbeit mit der USK hat PEGI nun nachgezogen, um Eltern und SpielerInnen europaweit besser über Risiken wie Kaufdruck oder unmoderierte Chats aufzuklären.
Diese Mechaniken treiben euer Rating nach oben
Für euch als EntwicklerInnen bedeutet das: Bestimmte Design-Entscheidungen sind ab sofort untrennbar mit einer Mindestfreigabe verknüpft. PEGI hat die neuen Richtlinien klar definiert:
- In-Game-Käufe: Bietet euer Spiel zeit- oder mengenmäßig limitierte In-Game-Käufe an, landet ihr automatisch bei PEGI 12
- Krypto & Co.: Implementiert ihr NFTs oder Blockchain-Mechaniken, gibt es konsequent den roten Stempel: PEGI 18.
- Lootboxen: Sogenannte „Paid random items“ sorgen künftig standardmäßig für eine PEGI 16-Bewertung (in manchen Fällen sogar PEGI 18).
- Play-by-Appointment: Belohnt ihr SpielerInnen für das tägliche Einloggen (z.B. durch Daily Quests), gibt es eine PEGI 7. Bestraft ihr sie sogar für das Nicht-Spielen (etwa durch den Verlust von Fortschritt oder Account-Sperrungen), springt das Rating auf PEGI 12.
- Safe Online Gameplay: Bietet ihr einen völlig unregulierten Chat ohne Block- oder Meldefunktionen an, wird euer Spiel als PEGI 18 eingestuft.
Das gilt es in Zukunft bei der Einrichung zu beachten
Die neuen Regeln treten im Juni 2026 in Kraft. Wenn ihr danach euer Spiel zur Prüfung einreicht, müsst ihr als Studio oder Publisher zusätzliche Informationen zu genau diesen Features offenlegen. Die PEGI-PrüferInnen werden diese Angaben dann detailliert bewerten. Mit den ersten Titeln, die nach den neuen Standards klassifiziert wurden, rechnet die Organisation im Spätsommer dieses Jahres. Es ist möglich, schon vor der Bekanntgeben oder Veröffentlichung eines Spiels, die Inhalte einzureichen. Wer sich rechtzeitig auf die Einreichung vorbereiten will, sollte sich die genauen Richtlinien und Fragebögen direkt bei der PEGI ansehen.
In Zukunft ist mit weiterhin mit regelmäßigen Updates der Reglementierungen zu rechnen, um Eltern ein tragfähiges System zu bieten, fundierte Entscheidungen über den Umgang mit dem Zocker-Nachwuchs zu treffen. „PEGI hat ein solides Fundament gelegt, um Eltern über viele weitere Jahre hinweg aufzuklären, da Eltern eine verlässliche Informationsquelle in einem sich ständig wandelnden Umfeld wie dem Videospielmarkt benötigen“, sagt Jeroen Jansz, Vorsitzender der PEGI-Expertengruppe. „PEGI wird weiterhin alle relevanten Entwicklungen beobachten, und wir werden die Umsetzung dieser Kriterien im Laufe des nächsten Jahres fortlaufend prüfen – so wie wir auch die Kategorien der Inhaltsklassifizierung einer ständigen Überprüfung unterziehen.“
Quelle: Pressemitteilung PEGI
