Die finanzielle Planung in der (Indie-)Spieleentwicklung gleicht oft einem Blindflug. Die Produktionsphase ist in der Regel geprägt von vielen wirtschaftlichen Unsicherheiten. Ob sich der hohe Einsatz von persönlichen Ressourcen am Ende „auszahlt“ ist völlig ungewiss. Tools wie der Steam Sales Calculator von Nubosoft helfen beim zu erwartenden Umsatz etwas mehr Klarheit zu bekommen – denn das ist keineswegs eine Milchmädchenrechnung. Wir stellen euch vor, wie das funktioniert.
Dass sich mit 1.000 Verkäufen auf Steam bei einem Preis von 4,99 Euro nicht automatisch 4.990 Euro Umsatz ergeben, dürfte den meisten klar sein. Plattformgebühren, länderspezifische Steuern, Währungsschwankungen und Rückerstattungen sind nur einige Beispiele für die hochkomplexen Zahlungsströme, die bei Steam im Hintergrund laufen, bevor der tatsächliche Gewinn aus den Verkäufen eines Spiels auf dem eigenen Konto landet. Um besser einschätzen zu können, was faktisch an Auszahlungen bei euch als Dev ankommt, hat Nubosoft den Steam Sales Calculator entwickelt. Ein webbasiertes Tool, das die eigene Geschäftsplanung auf ein realistischeres Fundament stellt.
Der „Goldene Faktor“ in eurer Kalkulation
Das Herzstück des Calculators ist der „Goldene Faktor“. Dies ist ein individueller Multiplikator, der auf Basis eurer Eingaben in das Tool ermittelt wird. Dabei berücksichtigt es Parameter wie Rabattaktionen, Rückerstattungsquoten, Publisher-Beteiligung oder auch die Verteilung eurer Verkäufe auf unterschiedliche Märkte wie Europa, USA oder Japan. Hinzu kommen zentrale Angaben zur Währung, zum Basispreis des Spiels und nicht zuletzt zur Anzahl der erwarteten Verkäufe. Dies alles zusammen ergibt eine Prognose für euren Umsatz.
Im Hintergrund des Calculators läuft ein Rechenprozess, bei dem der Goldene Faktor mit dem Basispreis (USD) multipliziert und so der Nettopreis errechnet wird. Der Nettopreis wiederum wird mit der Anzahl der von euch erwarteten Verkäufe multipliziert. Das Ergebnis ist der Nettoumsatz. Kurz:
Nettopreis = Goldener Faktor x Basispreis (USD)
Nettoumsatz = Erwartete Verkäufe x Nettopreis
Reality Check: Der Calculator in der Praxis
Das Tool zwingt euch zwar dazu, viele Detailinformationen einzugeben und wirkt deshalb komplex. Aber gerade durch diese Feinjustierung gewinnt es seine Aussagekraft. Es gibt aber auch Aspekte, die das Tool nur bedingt abbildet und die ihr selbst im Hinterkopf haben müsst. Beispielsweise so etwas wie dynamische Recoup-Phasen für Publisher-Deals, also wenn der Publisher-Partner am Anfang 100 Prozent der Einnahmen einbehält, bis die Vorschüsse getilgt sind. Vom ermittelten Wert abziehen müsst ihr natürlich noch Dinge wie Produktionskosten, Steuern oder Ausgaben für Büromiete etc. Insgesamt ergeben sich aber einige spannende Use-Cases, die ein wenig Licht ins Dunkle eurer Finanzprognosen bringen:
- Lokalisierungs-Check: Lohnt sich unter Berücksichtigung der regionalen Steam-Preise eine Lokalisierung in einem bestimmten Zielmarkt mehr als in einem anderen?
- Break-Even-Analyse: Wie viele Einheiten muss ich verkaufen, um meine Entwicklungskosten einzuspielen?
- Umsatz-Szenarien: Wie viel bleibt vom Verkaufspreis pro verkaufter Einheit tatsächlich übrig?
Ganz wichtig: Der Entwickler weist selbst explizit darauf hin, dass das Tool kein Ersatz für eine professionelle Beratung bei SteuerberaterInnen ist. Zusammen mit anderen Prognose-Tools wie dem Guesstimator (der anhand von Wishlists die Anzahl der voraussichtlich verkauften Einheiten berechnet), gibt er euch einen ersten Reality Check dafür, wie viel Geld am Ende auf euer Konto wandert. Wie der Steam Sales Calculator im Detail funktioniert, könnt ihr auf der Homepage von Nubosoft nachlesen.
Hier könnt ihr den Steam Sales Calculator direkt ausprobieren. Das Team von Nubosoft freut sich über euer Feedback, um das Tool weiter zu optimieren!
Quelle: Understanding net revenue from Steam Sales von Nubosoft
Headerbild: Symbolbild. Quelle: unsplash.com, Autor: Aaron Lefler
