Upside Drown: Auf der Suche nach dem Selbst

Um Am Ende gegen den Dämon zu bestehen und das Rätsel um ihre Identität zu lösen. Quelle: Upside Drown

Auf den GermanDevDays2019 durfte ich viele nette Menschen und spannende Projekte kennen lernen. Eines davon ist mir aus persönlichen Gründen besonders im Gedächtnis geblieben: Upside Drown – eine Reise zum Selbst.

Was ist es, das einen Menschen zu der Person macht, die er ist? Diese Frage stellte sich Story-Teller und Creative Director Benjamin gemeinsam mit seiner Studienkollegin Nadine. Sie entwickelten für ihre gemeinsame Masterarbeit den Prototypen von Upside Drown, einem “Story basiertem 3D-Adventure mit Rätselfaktor”, wie es die Entwickler selbst beschreiben.

Upside Drown: Im Reich des Schattenkönigs

Der Spieler begleitet in Upside Drown ein kleines Mädchen namens Nora, das ohne Erinnerung daran, wer sie ist und woher sie kommt, im Reich des Schattenkönigs erwacht. Der Schattenkönig ist ein Dämon, der selbst keine Persönlichkeit besitzt, aber fasziniert davon ist, zu erfahren, was es ausmacht, ein Mensch zu sein. Daher bietet er  Sterbenden einen Tauschhandel an: Wenn sie ihm den Teil ihrer Persönlichkeit überlassen, der sie definiert, dürfen sie länger leben. Doch ohne diesen Teil, sind die Menschen nicht mehr, wer sie vorher einmal waren.

Die Persönlichkeitsaspekte schließt der Dämon in seinem Schattenreich ein – der Ort, an dem Nora sich wiederfindet. Auf ihrem Weg durch das Reich, hilft Nora den Persönlichkeitsaspekten, sich aus den Fängen des Dämons zu befreien. Nur so kann sie das Mysterium um ihre eigene Identität aufklären. Dafür muss Nora Irrlichter einsammeln, die menschliche Erinnerungen symbolisieren und deren unterschiedliche Eigenschaften benötigt werden, um die Rätsel im Spiel zu lösen.

Zu diesem außergewöhnlichem Spielkonzept wurde Benjamin von seiner kleinen Nichte inspiriert, die er beim Aufwachsen begleiten durfte. Mit den Jahren wurde aus dem Kleinkind, das in erster Linie an seinen Grundbedürfnissen interessiert war, ein richtiger kleiner Mensch mit einer eigenen Persönlichkeit.

Bei der inhaltlichen Ausrichtung hat sich der Storyteller von Forschungen zur Entwicklungspsychologie anregen lassen, ohne aber ganz auf kreative Freiheiten zu verzichten. Das Reich des Dämonenkönigs ist eine eigene kleine, konsistente Welt, die keinen Realismusanspruch verfolgt.

Das Spiel befindet sich gerade in der Vorproduktion, einen spielbaren Prototypen gibt es schon. Ab Anfang 2020 soll die Produktionsphase starten. Ziel ist es, das Spiel Ende 2021 fertigzustellen. Die finale Version soll etwa 7 Spielstunden umfassen. Doch bis dahin, ist es noch ein langer Weg.

 

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Upside Drown: The Story so far

Die Hochschule in Trier spielte bei der bisherigen Entwicklung eine zentrale Rolle. Nicht zuletzt, weil Upside Drown hier als Masterprojekt von Benjamin und seiner Kollegin Nadine seinen Anfang nahm. Mit ihren 800 Studierenden, die sich mit Games als Forschungs- und Ausbildungsschwerpunkt beschäftigen, ist sie eine der größten Ausbildungsstandorte für Videospiele in Deutschland.

Gleich zwei Studiengänge werden hier angeboten, in denen Videospiele in den Fokus rücken können: Digitale Medien und Spiele, ein Vertiefungsstudiengang der Informatik, sowie Intermedia Design, das sich mit Game Design und Storytelling beschäftigt, auch in anderen Medien wie Film.

Die Leiterin dieses Studienganges, Prof. Dr. Linda Breitlauch setzt sich sehr stark für die Verbesserung der Ausbildungsbedingungen und Fördermöglichkeiten für die jungen Entwickler ein und ist gern gesehener Gast auf Events in Wissenschaften und Games-Industrie.

Das an der Hochschule angebotene Modul “Entwurfsprojekte”, das sich sowohl an Studenten der Digitalen Medien und Spiele, als auch von Intermedia Design richtet, war maßgeblich für das bisherige Vorankommen im Projekt. Denn auch Benjamin und sein beständig wachsendes Team machten davon gleich mehrfach Gebrauch.

Durch das integrierte Mentoring-Programm, erfahren die Studenten mehr über die verschiedenen Aspekte der Spieleentwicklung und werden projektspezifisch beraten. Im Semesterplan werden Aufgaben festgehalten, die am Ende des Semesters gelöst sein sollen.

Mit dem Erfahrungsschatz wuchs auch das Team mit jedem Besuch des Moduls weiter, denn es bot die Möglichkeit, andere Studenten für das Konzept von Upside Drown zu begeistern. Aktuell besteht es aus neun Personen, darunter Mitarbeiter für 3D-Animation, Texturing, Game Design oder auch Programmierung. In Technical Artist und Producer Gordon fand Benjamin einen wichtigen Partner. Ihr Ziel ist es, aus dem Studenten-Projekt eine eigene Firma zu machen.

Upside Drown: Die Säulen der Zukunft

Das Team von Upside Drown in Aktion. Wenn alles klappt, wird aus dem Arbeitsbündnis bald ein Studio: Rivers and Wine Studios. Quelle: Upside Drown

Aktuell arbeitet das Team an Upside Drown neben Studium und Arbeit. Doch das soll sich schon Ende des Jahres ändern. Die Vorbereitungen für die Gründung eines Studios laufen auf Hochtouren. Der Name steht nun fest: Rivers and Wine. Benjamin und Gordon setzen vor allem auf eine ausgefeilte Projektplanung. Denn in der Gamesbranche macht man schließlich erst Umsatz, wenn das Produkt fertig ist und verkauft werden kann.

Doch bevor ein Spiel fertig ist, muss es entwickelt werden. Und ein Spiel zu entwickeln kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die Finanzierungsmöglichkeiten, die ein junges Team hat, das nicht auf ein finanzielles Polster von vorangegangenen, erfolgreichen Projekte zurückgreifen kann, sind rar.

Fördergelder sind theoretisch eine davon. Leider gibt es die regelmäßig nur auf Länderebene – wenn überhaupt! In Rheinland-Pfalz, der Heimat von Rivers and Wine, gibt es gar keine. Doch auch dort, wo es sie gibt, reichen die Ausschüttungen selten, um ein Projekt vom Konzept bis zum Launch komplett zu finanzieren, da sie dafür schlicht nicht vorgesehen sind. Und sie sind an viele Bedingungen geknüpft. Der diesjährige 50 Millionen-Topf mit Fördergeldern vom Bund ist eine bisher einmalige Gelegenheit, in der Games-Branche auch an eine größere Finanzspritze zu gelangen. Eine positive Ausnahme sind die Förderprojekte in NRW und in Bayern.

Viele Indie-Entwickler gehen daher den Weg über Crowdfunding-Kampagnen, seltener auch über Venture Capitale (Anteile an Investoren oder die ISB-Bank abgeben). Das möchte das Team von Upside Drown aber vermeiden und lieber einen geeigneten Publisher finden, der ihr Projekt nicht nur aus finanzieller Sicht absichert, sondern auch dabei unterstützen kann, es professionell zu vermarkten. Sie suchen gerade aktiv nach einem Publisher, der bestenfalls Erfahrung mit dem internationalen Markt und Lokalisation hat. Denn das Spiel soll später nicht nur in Deutschland vertrieben werden.

Upside Drown setzt außerdem auf Networking und den Erfahrungsaustausch mit anderen Entwicklern. So sind sie Gründungsmitglieder des Vereins GamesAHEAD, der unter anderem mit der Organisation von Stammtischen, Meetups und Game Jams die Entwicklerszene in Rheinland-Pfalz voranbringen möchte. Sie wissen aber auch, wie wichtig es ist, genauso außerhalb der GameDev-Gemeinde eine Community aufzubauen, Kontakte zu knüpfen und die Zielgruppe anzusprechen.

Und zuletzt ist da das Team. Ein solides Team-Building ist in den Augen von Benjamin und Gordon ein wichtiger Faktor für ein erfolgreiches Projekt. Jeder im Team arbeitet unablässig darin, seine Stärken und Schwächen herauszuarbeiten und sich weiterzuentwickeln. Nur so kann das Vorhaben gelingen.

Mehr über das Projekt:

Ihr möchtet mehr über das Projekt und die Personen dahinter erfahren? Die Homepage von Upside Drown ist gerade noch im Aufbau und daher etwas nackig, aber ihr findet Upside Drown auf Facebook. Parallel informiert das Team auf Twitter regelmäßig über den Fortgang der Entwicklung und ist auch auf Instagram aktiv. Außerdem ist Upside Drown am 26.09.2019 bei den Pixel Maniacs zu Gast im Pixelblah. Nicht verpassen!