Death Stranding könnte das Schlimmste in Kojima hervorbringen

Quelle: Konami

Death Stranding war dreimal auf der E3 zu sehen. Jetzt folgte ein zehnminütiger Trailer und ein zeitnahes Erscheinungsdatum. Wie genau das Gameplay aussehen wird, ist jedoch noch immer ein Mysterium. Stattdessen beglückt uns Hideo Kojima mit Reden über vage Leitmotive und seine liebsten Fernsehserien. Bekommt er von den Geldgebern bei Sony zu viel Freiraum, könnte sich dies negativ auf das Projekt auswirken.

Hideo Kojima ist ein extrem begabter, kreativer Geist. Dies ist die Voraussetzung für seine ambitionierten Projekte, birgt jedoch auch Gefahren. Denn Videospiele in der Größenordnung von Death Stranding beruhen auf Teamarbeit, Koordination, sowie klaren Zielen und Strukturen. Diese Aspekte können sich mit dem kreativen Prozess beißen, gerade wenn ein Alleinherrscher wie Kojima an der Spitze steht.

Bei einer vertikal ausgeprägten Hierarchie innerhalb des Entwicklerteams, können theoretisch die Publisher von außen auf den Prozess und die Führungskräfte einwirken. Ist diese externe Einmischung zu groß, limitiert dies häufig die Spiele. Hält sich der Publisher jedoch komplett heraus, kann dies ebenfalls negative Folgen haben.

Die Zurückhaltung seitens Sony könnte jedoch eine Voraussetzung für Kojima gewesen sein, überhaupt an einem exklusiven Playstation 4-Titel zu arbeiten. Anders ist es kaum zu erklären, dass wir von Death Stranding noch immer kein klares Bild haben, obwohl es in gut fünf Monaten erscheint.

Kojima zwischen Hype und Genie

Der Hype um Hideo Kojima hat eine Eigendynamik angenommen. Durch die Marke Metal Gear Solid, gepaart mit teils genialem (Silent Hills), teils absurdem (MGS V) Marketing, hat es Kojima geschafft, sich einen einmaligen Status in der Branche zu erarbeiten. Sein Handeln scheint nun kaum noch hinterfragt zu werden.

Kojima hat sich in der Vergangenheit nur bedingt durch zielgerichtetes Handeln hervorgetan. Ohne Druck von außen, hätte der selbsternannte Perfektionist wohl ewig an seinen Spielen gefeilt. Mit Metal Gear Solid 5 wurde sein letztes Projekt in einem unfertigen Zustand veröffentlicht. Auch wenn Publisher Konami hier vermutlich die Hauptschuld trifft.

Death Stranding macht den Eindruck, als hätte man sich zunächst um einen interessanten Plot und bekannte Schauspieler gekümmert. Auch der aktuelle Trailer zieht Pathos und bekannte Gesichter echten Spielszenen vor (auch wenn diese vorkommen).

Interne Mitarbeiter bei Sony haben es bereits gespielt. Aber das bringt uns Außenstehenden wenig. Die Frage ist, ob es, wenn ein Grund besteht sollte, zu einer knallharten Gameplay-Analyse kommen würde. Offensichtlich hat es Sony gereicht, von Kojima Productions in den vergangenen Jahren schöne Trailer für ihre Pressekonferenzen zu bekommen.

Death Stranding könnte ein Rückschritt sein

MGS V war Gameplay-technisch für mich das stärkste Spiel der Serie. Es verzichtete auf überlange Zwischensequenzen, zugunsten der Kontrolle durch den Spieler. Zu häufig jedoch folgte Kojima in der Vergangenheit dem ‘style over substance’-Kredo. Metal Gear Solid 4 ist ein perfektes Beispiel hierfür. Ein von exzessiven Filmchen und Fan-Service durchdrungenes Spiel.

Der Ansatz von Death Stranding ist durchaus interessant. Auch wenn es Kämpfe geben wird, stehen diese offensichtlich nicht im Fokus. In Form von Norman Reedus stundenlang durch felsige Gebiete zu streifen, klingt aber nicht unbedingt nach Spaß. Zumal diese Tätigkeit bereits in Zelda: Breath of the Wild perfektioniert wurde.

Hoffen wir, dass wir bisher nur die schöne Hülle gezeigt bekommen haben, der Inhalt aber letztlich nicht weniger gehaltvoll ausfallen wird. Kojima von der Leine zu lassen, hat zu einem der interessantesten Videospiel-Projekte geführt, die sich momentan in Entwicklung befinden. Von einem absoluten Meisterwerk, bis hin zu einem misslungenen Experiment scheint momentan jeder Ausgang möglich.

Death Stranding erscheint am 8. November exklusiv für die Playstation 4.